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Superfood – Großer Hype um kleine Wirkung?

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Von Charlotte Thiesing

 

 

Low-Carb Pizza mit Chia-Samen, Avocado-Limetten-Kuchen und „Overnight Oats“ mit Mandeln, Vanille und Quinoa – das sind nur drei Rezeptideen, die Pinterest bei der Suche nach Superfoods auswirft. Der Trend hat soziale Netzwerke, Gesundheitsmagazine und letztlich unsere Kühlschränke erobert. Was hinter dem Begriff Superfood steckt, erklärt Professorin Dr. Dorothee Straka von der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück. „Grundsätzlich ist der Begriff nicht geschützt“, sagt sie. „Wenn ich der Meinung wäre, dass ein bestimmtes Lebensmittel besonders gesund ist, könnte ich es theoretisch Superfood nennen.“ Zwar habe das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel (EUFIC) erklärt, dass ein Superfood ein Lebensmittel sei, das aufgrund seines Nährstoffgehaltes einen höheren gesundheitlichen Nutzen bringe als andere Lebensmittel, die Menge dieses Nährstoffes sei jedoch nicht geregelt.

 

Chia

Chia-Samen (2)

In Mexiko und Guatemala, die Heimat der Chiapflanze, werden die Samen roh verzehrt oder als Verdickungsmittel eingesetzt. Chia soll den Körper mit Proteinen und Kohlenhydraten versorgen und sogar beim Abnehmen helfen. „Die Samen enthalten beachtliche Mengen an Calcium und wertvollen Fettsäuren“, erklärt Prof. Dr. Straka. Es seien aber auch sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, deren Wirkung auf den Menschen nicht genug erforscht seien. Die empfohlene, kennzeichnungspflichtige Menge liegt bei 15 Gramm am Tag – etwa ein Esslöffel. „Auf eine so kleine Menge herunter gebrochen, liegt der Calciumgehalt weit hinter dem von zum Beispiel einem Glas Milch“, sagt Straka.

 

Leinsamen

Bei den Leinsamen, die entweder eine gelbe oder braune Schale haben, handelt es sich um die Samen der Lein-Pflanze, auch unter dem Namen Flachs bekannt. Diese wird in großen Teilen Europas angebaut. Die Samen sind vor allem in Backwaren und Müsli zu finden und werden wegen ihres hohen Anteils an Omega-3-Fettsäuren und ihrem Protein- und Vitamingehalt oft als heimische Alternative zu Chia-Samen betrachtet. Tatsächlich seien die Samen denen der Chia-Pflanze in den enthaltenen Nährstoffen sehr ähnlich und dazu deutlich günstiger, sagt Straka.

 

Goji-Beeren

Goji-Beeren (2)

Goji, zu Deutsch Gemeiner Bocksdorn, wird hauptsächlich in China angebaut. In einigen europäischen Ländern ist die Pflanze mit ihren länglichen roten Früchten wild zu finden. Traditionell werden die Beeren gekocht, in Deutschland bekommt man sie fast ausschließlich getrocknet oder als Zutat in Joghurt, Müsli oder Smoothies. Über positive Auswirkungen auf die Gesundheit lässt sich streiten – zwar wird angenommen, dass die Beeren eine antioxidative Wirkung haben, also die Bildung aggressiver Substanzen im Körper verlangsamen oder sogar verhindern, belegt ist dies aber nicht.

 

Aronia-Beeren

 

Arania-Beeren (1)

Die an Holunderbeeren erinnernden Aronia-Beeren, auch Apfelbeeren genannt, stammen aus Nordamerika. Inzwischen werden sie sogar in einigen deutschen Bundesländern angebaut, weshalb sie leichter frisch zu bekommen sind als ihre exotischen Superfood-Geschwister. Die etwas bitteren Beeren werden zu Saft oder Konfitüre verarbeitet oder getrocknet in zum Beispiel Müsli gegessen. Der Reichtum der frischen Beeren an Antioxidantien und Vitamin C hat ihnen zum Status eines Superfoods verholfen.

 

Sesam

Sesam (1)

Bei der Sesampflanze handelt es sich um eine der ältesten Ölpflanzen der Welt. Sesam wird vor allem aus afrikanischen Ländern, Indien und China importiert, wo die Pflanze beheimatet ist. Die Samen enthalten beachtliche Mengen an Fettsäuren, deren positive Effekte auf den menschlichen Organismus nachgewiesen sind. EUFIC, das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel, bestätigt auf seiner Homepage, dass diese Fettsäuren wichtige Energielieferanten sind, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und helfen, den Cholesterinspiegel im Gleichgewicht zu halten.

 

Quinoa

Quinoa (2)

Bei Quinoa handelt es sich um ein Gras, dessen getreideähnliche Samen in Latein- und Südamerika als Grundnahrungsmittel gelten, besonders in den Anden. Ihren Superfood-Status verdanken die Samen den enthaltenen Mineralien Magnesium und Eisen und dem großen Anteil an ungesättigten Fettsäuren. „Die Produktions- und Herstellungsbedingungen im Anbauland haben wir nicht im Griff“, erklärt Straka mit Blick auf die steigende Nachfrage. Diese könne zu Wassermangel und Bodenkontaminationen führen. Außerdem sei wichtig, dass die Anbaufläche für andere Nahrungsmittel erhalten und die Samen bezahlbar bleiben. „Kann sich die einheimische Bevölkerung ein solches Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten, ist das eine Katastrophe“, sagt Straka.

 

Avocado

Avocado (1)

Die birnenförmige Frucht aus dem Süden Mexikos ist aus deutschen Supermärkten nicht mehr wegzudenken. Die grünen Exoten sind reich an ungesättigten Fettsäuren, Kalium und Vitamin E. Doch die Beliebtheit hat ihre Schattenseiten. Laut der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) werden weltweit über zweieinhalb Millionen Tonnen Avocados im Jahr angebaut. Das schaffe zwar Arbeitsplätze, führe aber auch zu Umweltproblemen in den Herkunftsländern wie Wassermangel und den Einsatz von Chemikalien. Greenpeace spricht auf seiner Homepage gar von einer „Zerstörung der Wälder Mexikos“ durch Rodung für mehr Anbaufläche.

 

 

Fazit

Dass Superfoods durch teilweise unseriöse Strategien der Marketingbranche an den Mann gebracht werden und viele der Studien aus dem Internet zu angeblichen positiven Effekten auf die Gesundheit nicht ausreichend fundiert sind, ist für Prof. Dorothee Straka klar. Bei unreifer Ernte, langen Transportwegen und im Prozess der Weiterverarbeitung verändere sich ein Lebensmittel, sodass oft nicht erkennbar sei, wie viel von den „guten Nährstoffen“ am Ende noch vorhanden ist. Vor allem Früchte, die wie die Goji- oder Açaibeeren nicht frisch zu bekommen sind, werden oft zu Pulvern oder Säften verarbeitet. Dabei sei die Zugabe von Hilfsmitteln wie Säuerungsmittel, Zucker oder Schwefeldioxid üblich. „Deshalb lohnt sich immer ein Blick auf die Zutatenliste“, erklärt Straka. „So wird klar, wie viel von dem eigentlichen Superfood enthalten ist.“

Empfehlenswert sei, die Superfoods so frisch und pur zu verzehren wie nur möglich. Am sinnvollsten sei es, auf heimische Alternativen zu setzen. „Regionale Superfoods“ wie Blaubeeren, schwarze Johannisbeeren, Kohlsorten, Nüsse und Hülsenfrüchte seien nicht nur umweltfreundlich und frisch zu bekommen, sondern können in Sachen Nährstoffe und Mineralien mithalten, sagt Straka. Wer im Supermarkt durch die Superfood-Abteilung schlendert, wird außerdem feststellen, dass die zahlreichen Pulver, Samen und Säfte zum Teil ziemlich teuer sind und damit heimische Produkte auch preislich besser abschneiden.


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