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Gemüsegärtner (8)

Eine grüne Kiste geht auf Reisen

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Von Charlotte Thiesing

 

Das  Fließband rattert. Eine der grünen Kisten tritt ihren Weg durch die große Halle an. Als die schwere Tür zu einem der Kühlräume aufgeht, sieht man Kistenweise Obst und Gemüse. Je nach Wunsch des Kunden werden eine rote Paprika, ein knackige Gurke oder buschige Petersilie Passagier in der Kiste.  Ihre Reise für Die Kiste im gekühlten Lieferwagen durch die Straßen des Osnabrücker Landes führt.

Mit Bio-Kisten aus und für die Region wirbt das in Kalkriese ansässige Unternehmen „Die Gemüsegärtner“ auf seiner Homepage. Das dort angebotene Sortiment reicht von regional angebautem Grünkohl über Litschis aus Madagaskar bis hin zu Getränken, Molkerei- und sogar Kosmetikprodukten. Die gefüllten Kisten werden im Umkreis von 70 Kilometern zum Kunden gebracht und vor der Haustür, auf der Terrasse oder im Hausflur abgestellt.

 

Das war nicht immer so – am Anfang vor 32 Jahren habe der Betrieb ausschließlich auf Wochenmärkten verkauft, erklärt der langjährige Geschäftsführer und Mitbegründer Burkhard Preckel. Erst etwa zwölf Jahre später sei der Lieferservice entstanden und das Gewerbe groß genug geworden, um davon zu leben.

 

„Der ganze Bio-Aspekt musste erst gesellschaftsfähig werden“, sagt Preckel. „Damals hat sich die breite Bevölkerung keinen Kopf darum gemacht.“ In der Zeit seit der Gründung habe sich der Blick der Gesellschaft auf soziale Themen und die Umwelt  geändert. Das habe zum Aufbau ähnlicher Unternehmen in Deutschland und zu deren Wachstum geführt. Auch wenn „Die Gemüsegärtner“ heute ein Betrieb mit insgesamt 40 Mitarbeitern ist, die Bestellung online abläuft und die Auslieferung mithilfe von Tablets vorgenommen wird, liege der Fokus nach wie vor auf regional angebautem Gemüse. Was nicht in den Gewächshäusern der Bio-Gärtnerei Kalkriese gezüchtet wird, werde von seriösen, zertifizierten Verbandsbetrieben zugekauft. Dabei sei besonders wichtig, dass die Produkte eine hohe Qualität haben, aus kontrolliert biologischem Anbau kommen und die Transportwege nachvollziehbar und so kurz wie möglich sind, erklärt Preckel. Bei der Auslieferung achte man darauf, kaum Plastikverpackung zu nutzen, um Müll zu sparen.

 

1200 Kunden in der Woche nehmen die Dienstleistung mittlerweile in Anspruch, darunter viele Stammkunden, aber auch Neugierige und Gelegenheitsbesteller. Der Großteil stelle sich die gewünschten Produkte online individuell zusammen, sagt Preckel. Es gebe auch Kunden, die sogenannte Themenpakete für bestimmte Zielgruppen abonniert hätten, wie zum Beispiel die „Singlekiste“. „Eine Person braucht keine 500 Gramm Weißkohl, so viel kriegt man alleine nie weg“, sagt der 60-Jährige. „Wir achten bei den Portionen darauf, dass das Management im Kühlschrank erleichtert wird.“

 

Große Nachfrage bestehe vor allem bei Evergreens wie Tomaten, Gurken und Kartoffeln. Seit einiger Zeit sind auch mediterrane und asiatische Gemüsesorten sehr beliebt. „Mit der Entwicklung zu einer Multikulti-Gesellschaft hat sich auch die Art zu kochen in eine andere Richtung bewegt“, erklärt Burkhard Preckel. Um die Ökobilanz so positiv wie möglich zu halten, seien sie darauf bedacht, wenig Flugware zu verkaufen. Ausnahmen seien soziale Projekte, die sie nach Möglichkeit unterstützten. Gerade in den kalten Monaten des Jahres setze man auf Wintergemüse wie Kohlsorten, Möhren und Chicorée. Dies sei vorteilhaft, weil man es regional anbauen und längere Zeit lagern kann. Um die Kunden an ausgefallenere Sorten heranzuführen und Ideen zur Verarbeitung von Saisongemüse zu geben, werden den grünen Pfandkisten vor der Auslieferung Rezepte beigelegt, die nach Jahreszeit variieren.

 

Bei seinem Lieblingsgemüse lässt sich der Spezialist in Sachen Landwirtschaft und Gartenbau nicht festlegen. Am liebsten hat er aber klassische Gerichte wie gedünstete Steckrüben auf seinem Teller – gerade im Winter.


 

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