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Ein Laden für alle Sinne +++ Fotos

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Von Frieda Doornbos

 

Gummibären, Colaflaschen und noch ein paar saure Würmer: Früher stellte man sich eine bunte Tüte zusammen, bei „Tara – unverpackt genießen“ kann man sich jetzt ein buntes Glas mischen. Wer lieber Schokolade nascht, wird beim Anblick der Schokofrüchte große Augen bekommen.

 

In vielen Großstädten Deutschlands gibt es sie schon und seit Sommer endlich auch in Osnabrück: Supermärkte die vollständig auf Verpackungen verzichten. Bei „Tara – unverpackt genießen“ bekommt man Lebensmittel, Getränke, Kosmetik und Reinigungsmittel, die man sich selbst abfüllen kann. Zudem kann man dort Mittag essen.

 

Die Idee kam den beiden jungen Geschäftsführerinnen vor rund einem Jahr. „Wir sind beide ökologisch interessiert“, erzählt Franziska Ohnheiser. Sie und Sarah Karow-Lodter sind seit ihrer Schulzeit befreundet und träumten schon lange von ihrem eigenen Laden.

 

Zuvor waren die beiden in ganz verschiedenen Bereichen tätig. Während Sarah Karow-Lodter als Reiseverkehrskauffrau arbeitete, studierte Franziska Ohnheiser  Soziologie und Non Profit Management. Der Wunsch vom eigenen Laden wurde immer größer. Ein „unverpackter“ Laden sollte es ein. Die beiden setzten sich erst einmal genauer damit auseinander.

 

Bei einer Fortbildung von Marie Delaperriere, die den ersten verpackungslosen Laden Deutschlands eröffnet hatte, erfuhren sie viel über die „Zero Waste“-Philosophie. Dabei versucht man, so nachhaltig wie möglich zu leben. Das heißt, man verzichtet so weit es geht auf Verpackungen, reduziert den Konsum von allen anderen Dingen (Kleidung, Technische Geräte) und schmeißt so wenig wie möglich in den Müll.

 

Diesen Grundsatz haben Sarah Karow-Lodter und Franziska Ohnheiser auch in ihrem Laden umgesetzt. Die Lebensmittel sind nicht nur unverpackt und zu 90 Prozent Bio, die Servietten sind aus Stoff und vieles ist aus zweiter Hand. Der Kühlschrank zum Beispiel ist gebraucht, das Besteck ebenfalls nicht neu und bunt gemischt. Für die Behälter haben die Frauen sich ein eigenes Montagesystem überlegt.

 

Ihre Waren kaufen die Geschäftsführerinnen bei Großindustrien. So bekommen sie die Lebensmittel in großen Säcken, statt in kleinen Verpackungen. Es gibt nur wenige Dinge, die so noch nicht lieferbar sind, zum Beispiel Instant Kakao.

 

Lebensmittel ganz ohne Verpackung? Da stellt man sich den Transport zuerst ziemlich umständlich vor. Doch Franziska erklärt, dass es nicht nur ganz einfach ist, sondern sogar Spaß machen kann: „Da ist Kreativität gefragt.“ Jeder hat zu Hause einen Beutel, ein Paar alte Tupperdosen oder ein Soßenglas. Einige Kunden begeistern sich nach einiger Zeit aber so für das unverpackte Einkaufen, dass sie sich selber Nudelsäckchen nähen oder Etiketten basteln. Am Anfang ist es sicher eine Umstellung, aber nach einer Gewöhnungsphase sind fast alle Kunden überzeugt. Das merken Sarah Karow-Lodter und Franziska Ohnheiser daran, dass die meisten wiederkommen.

 

Auf die Frage, was für Menschen in ihrem Laden einkaufen, muss Franziska Ohnheiser lachen: „Wir haben ganz unterschiedliche Kunden, von konsumkritischen Studenten bis zur alten Frau, der die normalen Verpackungsgrößen zu groß sind“. Dies haben die Geschäftsführerinnen allerdings auch beabsichtigt. Normalerweise entscheidet man sich, wenn man einen Laden eröffnet, für eine bestimmte Zielgruppe, auf die man sein Geschäft dann abstimmt. „Tara – unverpackt genießen“ war aber von Anfang an für „Osnabrücker“. Alle die etwas für die Umwelt tun wollen, denen der ganze Müll zu viel wird oder, die einfach mal was Neues ausprobieren möchten, sind willkommen.

 

Sarah Karow-Lodter und Franziska Ohnheiser haben auch schon neue Pläne für die Zukunft. Zum Beispiel einen Befüllservice, bei dem man nur den Einkaufszettel abgeben muss. Auch Workshops für Schulen stehen auf ihrer Liste. Und vielleicht gibt es ja bald bei  „Tara – unverpackt genießen“ auch den sehnsüchtig erwarteten Instant Kakao.

 

Unverpackt einkaufen – der Selbstversuch

Um herauszufinden, wie unverpacktes Einkaufen wirklich ist, bin ich mit einem Einkaufszettel, einigen Tupperdosen und einem Beutel zu „Tara – unverpackt genießen“ gegangen und habe getestet, ob alle Zutaten für einen Mamorkuchen erhältlich sind. Als erstes wurde mir das Prinzip des Ladens erklärt. Mit meinen Befüllgefäßen musste ich zur Waage, damit diese später beim zweiten Wiegen das Gewicht des Transportmittels von der Ware abziehen kann. Danach schaute ich mich erst einmal genau um. Schnell fand ich Milch, Butter und Eier. Danach ging es in die Obst- und Gemüse-Ecke und ich suchte mir eine der unverpackten Zitronen heraus. Die Auswahl an Mehl war sogar so groß, dass es mir schwer fiel, mich für eines zu entscheiden. Auch Zucker und Salz sowie zu meiner Überraschung Backpulver waren kein Problem. Schwer bepackt mit meinen Waren musste ich noch kurz zur Waage zurück, ein zweites Mal wiegen, dann den Bon ausdrucken und zur Kasse. Das Einzige, was ich nicht bekam, war das Kakaopulver. Aber bis es das bei „Tara – unverpackt genießen“ gibt, esse ich eben Zitronenkuchen.

 

Fotos: Nina Strakeljahn


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