Blog

Im Markt für ALLE werden Altkleider verkauft. Foto: Charlotte Thiesing

Wohin mit den Altkleidern?

  |   Allgemein

Von Charlotte Thiesing

 

Ungefähr eine Million Tonnen Altkleider werden laut FairWertung, dem Dachverband gemeinnütziger Altkleidersammler, jedes Jahr in Deutschland gesammelt. Trotzdem wirft Greenpeace zufolge jeder Fünfte Altkleider einfach weg. Dadurch entstehen riesige Müllberge, schließlich besitze jeder Mensch im Durchschnitt 95 Kleidungsstücke, berichtet die Umwelt- und Naturschutzorganisation – Unterwäsche und Socken ausgenommen.

 

Eine Alternative zur Mülltonne in Osnabrück stellt „Der Markt für… ALLE!“ vom Deutschen Roten Kreuz dar. Dort werden seit mehr als zehn Jahren Spenden von Bürgern angenommen, sortiert und wieder verkauft. Um die 150 Kilo gebrauchte Kleidung werde im Durchschnitt jeden Tag in der Kleiderkammer abgegeben, schätzt Leiterin Heike Jandek. Schätzungsweise zwei Drittel der Spenden seien später im Markt wiederzufinden.

 

Dafür müsse die Kleidung sauber, gut erhalten und ohne Löcher sein, denn aufgrund der enormen Menge sei der Aufwand zu groß, selbst zu reinigen. „Die ersten Jahre war es so, dass wir die Sachen, die ein bisschen angeschmutzt, aber sonst gut waren, gewaschen haben. Mittlerweile haben wir so viele Spenden, dass wir uns das Beste heraussuchen – so müssen wir nur noch auszeichnen und aufhängen“, sagt Jandek.

 

Seit vermehrt zu Spenden für Flüchtlinge aufgerufen wurde, seien die Lager der Unterkünfte und Kleiderkammern überfüllt. Das Deutsche Rote Kreuz, Second-Hand-Läden und Wohnheime arbeiteten Hand in Hand, um der Masse Herr zu werden und eine nachhaltige Entsorgung zu gewährleisten. Damenkleidung werde besonders häufig gespendet. Glücklicherweise sei die Nachfrage an dieser Stelle groß. „Die Herren tragen ihre Kleidung auf, bis nichts mehr geht“, erklärt Heike Jandek lachend.

 

In der Vergangenheit habe es einen kurzweiligen Engpass bei Herrenkleidung in kleinen Größen gegeben, erklärt die Leiterin. Die zugewanderten Flüchtlinge seien alle „sehr klein und schmächtig“ gewesen und hätten auf Damenkleidung zurückgreifen müssen. Sonst sei von allem genug da. Damit dies so bleibt, empfiehlt Heike Jandek, weiterhin alles zu spenden, was nicht mehr benötigt wird. Auch Schuhe, Geschirr und Bücher würden gern genommen.

 

Was an Textilien überschüssig oder unbrauchbar ist, werde an einen zertifizierten Verwerter weiterverkauft. Dieser agiere nicht gemeinnützig, sondern verkaufe seinerseits weiter. Ein großer Teil gehe wahrscheinlich ins Ausland, mutmaßt Jandek. Altkleider, die auch der Verwerter für untauglich befindet, gebe dieser an eine Recyclingfirma weiter, die zum Beispiel Industrieputzlappen daraus herstelle.

 

Aufgrund einer Obergrenze für den Umsatz von gemeinnützigen Betrieben sei der Markt voll steuerpflichtig, bedauert die langjährige Leiterin des Marktes. Dazu komme Strom, Miete, Gehalt für die Mitarbeiter und andere Nebenkosten, die es zu begleichen gelte. „Im Moment verkaufen wir die Sommerbekleidung ab 50 Cent pro Stück. Da muss man erst einmal auf die Summen kommen, dass man kostendeckend arbeitet“, erklärt Jandek.

 

Auch wenn nur wenig Gewinn beim Verkauf der Gebrauchtkleider herausspringe, der sozialen Projekten zugutekommt, sei die Arbeit „ganz klar gemeinnützig“, betont sie. Im Markt habe auch jemand Job- und Ausbildungschancen, der auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Beschäftigung finden kann. Außerdem gebe es Vergünstigungen für Bedürftige. Ein Mensch ohne festen Wohnsitz erhalte im Markt kostenlose Wechselkleidung. Wer nachweislich ein geringes Einkommen hat, bekomme zehn Prozent Rabatt auf seinen Einkauf. Auch wer nicht bedürftig ist, sei im „Markt für… ALLE!“ herzlich willkommen. „Der Name ist ganz bewusst so gewählt worden“, sagt Jandek mit Nachdruck. „Wir haben solche Mengen, dass keiner Angst haben muss, jemandem etwas wegzukaufen.“


Weitere Artikel aus dem Magazin „Mode – schnell gekauft, schnell entsorgt“ sowie spannende Themen in diesem Bereich finden Sie hier.